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Kommentar

Bald muss doch mal Schluss sein, Herr Draghi!

Die Notenbank in den USA hat sich längst vom Anleihekaufprogramm verabschiedet und erhöht zum dritten Mal in Folge die Leitzinsen. EZB-Chef Draghi hält weiter am Null-Prozent-Leitzins fest.
Alles strömt in Aktien. Kein Wunder, diese Anlage wird ja auch seit Jahren massiv subventioniert, aber nicht von irgendwelchen Lobby-Verbänden oder TV-Slogans à la T-Aktie seinerzeit. Der Dax notiert mit weit über 13.000 Punkten um ein Vielfaches über dem Stand vom März 2009 mit damals gerade einmal 3.600 Pünktchen. In diesem Fall kommen die Subventionen nicht wie sonst gewohnt aus Berlin oder Brüssel, sondern aus Frankfurt am Main. Denn dort sitzt die Europäische Zentralbank (EZB). Einen großen Anteil an der Entwicklung des deutschen Leitindexes hat deren Chef Mario Draghi.

Denn das stetig abgesunkene Zinsniveau diente der Ankurbelung der Wirtschaft und machte die Aktie als Anlageform zugleich interessanter. Knapp zehn Jahre nach der Finanzmarktkrise herrscht immer noch Ausnahmezustand bei der Notenbank - zumindest in Frankfurt. Noch immer werden Monat für Monat Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro in die Bücher der Zentralbank genommen. Ab Januar werden es dann "nur" noch 30 Milliarden Euro sein – eine drei mit zehn Nullen danach. In der jüngsten Ratssitzung verständigten sich die Notenbanker darauf, den Leitzins vor erst bei null Prozent zu belassen. Der sogenannte Einlagensatz liegt weiter bei minus 0,4 Prozent.

Und das, obwohl sich die Volkswirtschaften Europas, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, seit Monaten auf dem Weg der Besserung befinden. Der längst geheilte Privatpatient Deutschland bräuchte längst keine Behandlung mehr. Und selbst der fast unheilbar krank geglaubte Patient aus Griechenland soll 2017 um gut zwei Prozent zulegen. Der Patient ist gesund, doch der Chefarzt verschreibt weiterhin überdosierte Medizin, könnte die Diagnose lauten.

Und auch die Gefahr der Deflation ist längst vom Tisch. Zumindest eine Verlängerung des Ankaufprogramms über September 2018 hinaus erscheint angesichts dessen als unwahrscheinlich. Mal sehen, ob sich dann auch was beim Leitzins tut, der momentan bei null steht.

Zeit wird es, den Kurs zu ändern. Andere machen es vor. Bei vergleichbaren Konjunkturdaten wie in der Eurozone heute stiegen die Amerikaner Ende 2014 aus dem Anleihekaufprogramm aus, 2015 kam es zur Zinsanhebung. Der Leitzins wurde jüngst zum dritten Mal hintereinander angehoben. Geschäftsbanken, die sich Fed-Geld leihen möchten zahlen nun, 1,25 bis 1,50 Prozent Zinsen. Im kommenden Jahr ist sogar mit weiteren Schritten nach oben zu rechnen. "Ende 2018 dürfte bei den US-Leitzinsen wieder eine Zwei vor dem Komma stehen", sagt Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Doch wir müssen gar nicht so weit in die Ferne schweifen. Es reicht ein Blick Richtung Westen auf die Insel, die manchmal (geld-)politisch weiter entfernt zu sein scheint als sie es geografisch ist - Großbritannien. Auch in London hatte man sich 2014 vom Anleihekaufprogramm verabschiedet, wenn gleich die Briten nach dem Brexit-Votum wieder ankaufen. Auch direkt am Zins setzt die Bank of England an. Die britischen Notenbanker hatten den Leitzins Anfang November um einen Viertelpunkt auf 0,5 Prozent angehoben. Dabei bleibt es vorerst.

Es geht aber auch extremer als auf dem europäischen Festland: In Japan gilt Anleihen ankaufen offensichtlich als Allheilmittel. Seit März 2001 verschreibt sich Tokyo dieses Instruments.

"Die EZB gerät 2018 zunehmend in Erklärungsnot", so Heinemann. Eines scheint klar: Die letzte Runde der ultra-lockeren Geldpolitik der EZB ist eingeläutet, die Frage ist nur: Wie lange dauert diese Runde?
von Thomas Brummer
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