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Fondsinvestments

Aktiv gemanagte ETFs setzen Nachhaltigkeit

Aktiv gemanagte ETFs liegen im Trend. Die neuen Fondsprodukte sind quasi ein Hybrid aus passivem und aktivem Anlagestil und versuchen, das Beste aus beiden Welten zu verbinden.
Geduld, Profit, Moral – die drei genannten Begriffe scheinen auf den ersten Blick ohne nähere Erklärung nicht besonders gut zusammenzupassen. Dabei sind es Schlagworte, mit denen sich jeder Privatanleger beschäftigen sollte. Zunächst wäre da die Geduld: In Aktien anlegen heißt, nicht nur Geld, sondern auch viel Zeit zu investieren. Geschäftsberichte und Bilanzen lesen, Wirtschaftsnachrichten verfolgen und vor allem bei sinkenden Aktienkursen nicht in Panik zu verfallen und gleich alles zu verkaufen. Wer das nicht möchte, investiert passiv mit sogenannten ETFs, die bestimmte Indizes – wie zum Beispiel den Dax – abbilden. Das ist zunächst günstig, einfach und praktisch.

Der zweite Begriff erscheint logisch, wirft jedoch eine wichtige Frage auf. Profit möchte natürlich jeder an der Börse machen. Aber will man auch in ethisch oder moralisch fragwürdige Geschäfte wie Zigaretten oder Waffen investieren? Möchte man sein Geld in Unternehmen anlegen, die Mitarbeiter oder Kunden unfair behandeln, die Umwelt verschmutzen oder sich aus Gründen der Gewinnmaximierung über Regeln und Gesetze hinwegsetzen?

Aktives ETF-Management

Über die Frage, wie man möglichst einfach und ohne große Risiken von den Chancen am Kapitalmarkt partizipiert und gleichzeitig ethische, ökologische und moralische Standards nicht aus den Augen verliert, hat man sich auch in den Chefetagen der großen Asset-Manager Gedanken gemacht. Zum Beispiel beim US-Vermögensverwalter J.P. Morgan, der im Oktober erstmals drei aktiv gemanagte Fonds aufgelegt hat: Den JPM Europe Research Enhanced Index Equity (ESG) UCITS ETF, den JPM US Research Enhanced Index Equity (ESG) UCITS ETF sowie den JPM Global Research Enhanced Index Equity (ESG) UCITS ETF.

Was aber unterscheidet nun diese drei aktiv gemanagten ETFs von klassischen, passiven Indexfonds im Detail?

Prinzipiell orientieren sich die drei ETFs an den Benchmarks von MSCI Europe, S&P 500 sowie MSCI World. Die laufenden Kosten liegen jeweils bei 0,25 Prozent. Im Bezug auf den für Anleger attraktiven, weil weltweit anlegenden MSCI World liegt dieser Preis im Mittelfeld, jedoch deutlich höher als mancher passiv anlegende Fonds. Zu nennen wäre hier beispielsweise der Lyxor Core MSCI World (DR) UCITS ETF mit einer Gesamtkostenquote von lediglich 0,12 Prozent im Jahr beziehungsweise der HSBC MSCI World UCITS ETF USD mit laufenden Kosten von 0,15 Prozent im Jahr. Die höheren Kosten haben damit zu tun, dass die Titelauswahl bei den J.P. Morgan-ETFs nicht rein passiv erfolgt, sondern auch aktiv gesteuert wird.

Die Besonderheiten
Ein ganz klarer Fokus der neu aufgelegten J.P. Morgan-ETFs liegt auf der anlagebezogenen Nachhaltigkeit. Unternehmen, welche die ESG-Kriterien im Bezug auf Enviromental, Social und Governance nicht erfüllen, sind zur Aufnahme in die Indizes ausgeschlossen. Das bedeutet konkret: Unternehmen mit kritischen beziehungsweise fragwürdigen Geschäftsmodellen, die zu Lasten von Umwelt, sozialen Aspekten oder guter Unternehmensführung gehen, werden im Hinblick auf die Anlagestrategie nicht beachtet. Der wohl wichtigste Aspekt liegt sicherlich im aktiven Management der ETFs. J.P. Morgan beschäftigt dazu rund um den Globus ein Team von 65 Analysten, welche alle für die Investoren relevanten Entwicklungen in den Indizes genau im Blick haben. Für potenzielle Anleger soll sich daraus ein Informationsvorsprung ergeben. Das Hauptziel ist, die Indizes zu optimieren und somit den Markt zu schlagen.

Für Philip Annecke, ETF-Vertriebschef Deutschland und Österreich bei J.P. Morgan Asset Management, sind die drei neuen Produkte eine logische Fortentwicklung des bisherigen Angebots: "Nachdem wir dieses Jahr im Februar unsere ersten ETFs an der Deutschen Börse gelistet haben, bieten wir nun ETF-Lösungen im Bereich Aktien, Anleihen und alternative Strategien. Wir freuen uns darauf, unser ETF-Angebot über die nächsten Jahre um aktive, alternative Beta- sowie passive Anlagestrategien zu erweitern, die von der umfassenden Anlagekompetenz von J.P. Morgan Asset Management profitieren." Für das US-Finanzunternehmen sind aktive ETF-Fonds auch ein Instrument zur Asset-Allokation, also der Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen, erläutert Christoph Bergweiler, Leiter von J.P. Morgan Asset Management im europäischen Raum.

Back to the roots?
Das Beispiel von J.P. Morgan zeigt, wohin die Reise für Investoren in Zukunft gehen könnte. Nämlich im Prinzip wieder zurück zum Startpunkt. Nachdem in den vergangenen Jahren zahlreiche Investoren zu günstigeren (weil passiven) ETF-Fonds wechselten, wollen sich nun verständlicherweise auch Asset-Manager einen Teil dieses durchaus lukrativen Kuchens wieder zurückholen. Ob dies für Anleger langfristig von Vorteil ist, muss sich allerdings noch zeigen. Die Chancen einer aktiven Steuerung von ETF-Fonds bietet eine interessante Alternative, sollte aber auch nicht überbewertet werden. Zumal es keine Garantie für eine Outperformance gibt.

Nachhaltige Investments contra konservative Geldanlagen
Dass nachhaltige Geldanlagen sich in Sachen Rendite vor konservativen Investments nicht zu verstecken brauchen, zeigen jüngste Untersuchungen. "Es gibt durchaus Belege für einzelne Aktienmärkte, vor allem in den Emerging Markets, dass nach ESG-Kriterien ausgewählte Unternehmen sogar besser performen als konservative Investments", sagt Kim Felix Fomm, Managing Director beim digitalen Vermögensverwalter Liqid, im Interview mit biallo.de. "Wir sagen jetzt aber nicht, dass diese Investments generell besser performen, auch wenn das vielleicht gerade en vogue ist. Das wird sich über die nächsten Jahre noch zeigen müssen."

Nachhaltige Investments seien laut Fomm mittlerweile eine gleichwertige Lösung mit einer kleinen Einschränkung: "Die Portfolios sind etwas weniger diversifiziert, weil eben bestimmte Branchen ausgeschlossen werden wie Alkohol, Tabak etc. Wobei man auch sagen muss, dass diese Branchen in den vergangenen Jahren nicht übermäßig performt haben."

Fazit
Es bleibt jedem Anleger selbst überlassen, ob er nachhaltig investieren möchte oder nicht. Der klassische, passiv anlegende ETF ist unserer Meinung nach insbesondere für weniger erfahrene Anleger ein guter Kompromiss aus niedrigen Kosten plus attraktiven Renditechancen, auch wenn es hiermit nicht möglich ist, den Markt zu schlagen. Aufgrund der aktuellen Unsicherheit an den Finanzmärkten sollten Anleger allerdings derzeit nur vorsichtig einsteigen. Mit einem monatlichen Sparplan können Anleger den sogenannten Cost-Average-Effekt nutzen und Kursschwankungen langfristig ausgleichen.
von Björn König
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