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Interview mit Prof. Sandner

Bitcoin: Hype oder Mega-Blase?

Der Kurs der Kryptowährung Bitcoin scheint kein Halten mehr zu kennen. Blockchain-Experte Prof. Dr. Philipp Sandner erklärt im Interview, was Anleger bei einem Bitcoin-Investment beachten sollten.
Herr Professor Sandner, ein Bitcoin ist mittlerweile mehr als doppelt so teuer wie eine Feinunze Gold. Sind wir schon mitten in der Bitcoin-Blase?
Prof. Sandner: Der Vergleich zwischen Bitcoin und Gold hakt. Die Marktkapitalisierung ist entscheidend und eignet sich besser als Vergleichszahl. Die erhalten Sie, wenn Sie alle herausgegebenen Bitcoins mit dem aktuellen Preis multiplizieren. Da sind wir im Moment bei etwa 45 Milliarden US-Dollar. Das ist insofern beachtlich, weil der ein oder andere Dax-Konzern zum Beispiel bei 25 bis 30 Milliarden Euro notiert. Deshalb ist die Marktkapitalisierung von Bitcoin schon erheblich, aber man sollte jetzt den Preis eines einzelnen Bitcoins nicht mit dem Preis für eine Feinunze Gold vergleichen. Das führt zu Verwirrungen.

Ist das nicht dennoch ein gigantischer Hype im Moment?
Prof. Sandner: Ja, Bitcoin und andere Kryptowährungen erfahren in der Tat einen gewissen Hype. Ich glaube trotzdem, dass die Kryptowährungen und das innovative Potenzial dahinter definitiv Substanz haben. Beim Bitcoin ist der Hype vorhanden, bei den anderen Kryptowährungen aber noch extremer. Es gibt ja in Summe über 700 solcher Kryptowährungen. Der Bitcoin ist die größte und bekannteste.

Aber von einer Blase wollen Sie nicht sprechen…

Prof. Sandner: Ob eine Blase da ist oder nicht, das lässt sich immer erst im Nachhinein feststellen. Der momentane Hype lässt eventuell auf eine Blase hindeuten. Die Frage ist natürlich, welche Perspektive Sie einnehmen. Sehen Sie Bitcoin als echte Währung, dann ist eine Kapitalisierung von 45 Milliarden US-Dollar sehr gering und in keiner Weise relevant, weil Währungen wie US-Dollar oder Euro in Summe eine unglaublich hohe Kapitalisierung ergeben.

Und von der anderen Perspektive aus betrachtet?
Prof. Sandner: Wenn Sie die Perspektive wechseln, sehen Sie, dass in dieser Welt der Kryptowährungen neue Ideen entstehen. Da formieren sich Teams, die gründen faktisch eine neue Kryptowährung. Teilweise ist das auch technologisch sehr innovativ und das Wort Währung trifft nicht überall zu. Es handelt sich zum Teil eher um Fintech-Startups. Von dieser Warte aus ist eine Kapitalisierung im Milliarden- oder im Millionenbereich dann erheblich. Aber es kommt auf die Perspektive an.

Ist der Bitcoin vor Hackerangriffen geschützt?
Prof. Sandner: Eine absolute Sicherheit gibt es nie. Stand heute ist, dass die Bitcoin-Blockchain seit 2009 noch nie gehackt wurde. Dennoch hat das gesamte System erhebliche Sicherheitsrisiken, nämlich an den Ein-und Austrittspunkten. Das sind genau die Tauschbörsen, wo man zum Beispiel Euro in Bitcoin tauschen kann. Diese Ein-und Austrittspunkte waren regelmäßig Gegenstand von Hackerangriffen. Das wird zwar besser, aber es wird sicher weitere Hackerangriffe geben. Es gibt gute Gründe, dass nur derjenige Bitcoin erwerben sollte, der sich mit der Materie wirklich auskennt. Nicht umsonst warnt etwa die Deutsche Bundesbank davor, große Summen in den Bitcoin zu investieren.

Was raten Sie?
Prof. Sandner: Die Warnung ist absolut valide. Das Thema Bitcoin ist außergewöhnlich spannend ebenso wie die anderen Kryptowährungen. Ich bin auf alle Fälle der Meinung, dass man sich mit diesem Thema beschäftigen soll. Aber ohne ausreichende Vorkenntnis, größere Summen in die Hand zu nehmen und Bitcoins zu erwerben, das sollte man auf keinen Fall machen. Es ist ein automatisiertes System und es gibt niemanden, den man kontaktieren oder anrufen kann, wenn man einen Fehler gemacht hat.

Gibt es für Sie so etwas wie einen fairen Wert für Bitcoin?
Prof. Sandner: Ein fairer Wert ist schwer zu definieren. Sie würden sich jetzt wünschen, dass man Hype und Substanz voneinander trennt. Das ist leider nicht möglich, auch deshalb, weil etablierte Bewertungsverfahren bei Kryptowährungen zumeist nicht greifen. Deswegen ist es aus meiner Sicht nicht möglich, einen fairen Wert zu bestimmen. Letztendlich ergibt sich der Wert aus Angebot und Nachfrage und momentan scheint es so zu sein, dass über die Zeit hinweg die Nachfrage größer ist als das Angebot - und damit steigt der Preis. Aber es muss nur eine Hackerattacke auf eine Wechselbörse geben oder eine regulatorische Maßnahme von irgendeinem Land, dann gibt es plötzlich wieder ein Überangebot, die Nachfrage verschwindet und dann fällt der Preis dramatisch. Also ist es in keinster Weise vorherzusehen, wie sich der Markt entwickeln wird. Ich könnte mir schon vorstellen, dass der Preis noch einige Zeit weiter ansteigt. Dass er sich noch vervielfacht - wie manche schätzen - da bin ich sehr skeptisch.

Herr Professor Sandner, vielen Dank für das Gespräch.

von Sebastian Schick
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