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Bulle gegen Bär

Dax: Neue Tiefs oder Jahresendrallye?

Der Deutsche Aktienindex hat sich von seinem Kurseinbruch im Oktober etwas erholen können. Für "Mr. Dax" Dirk Müller ist die Crashgefahr noch nicht gebannt. Altmeister Hans A. Bernecker bleibt dagegen gelassen und sieht attraktive Kaufchancen.
Trotz momentaner Erholung – der Deutsche Aktienindex ist angezählt. Am 26. Oktober markierte das Börsenbarometer das vorläufige Tief bei rund 11.050 Punkten – der tiefste Stand seit knapp zwei Jahren. Zwar notiert der deutsche Lietindex aktuell wieder gut 400 Punkte beziehungsweise vier Prozent höher. Im Vergleich zum Allzeithoch am 23. Januar bei rund 13.597 Zählern beläuft sich das Minus aber immer noch auf mehr als 15 Prozent.

Nichts scheint mehr sicher auf dem Börsen-Parkett in diesen stürmischen Zeiten: Selbst die als sichere Bank geltenden Hightech-FAANG-Aktien (Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Google/Alphabet) mussten im jüngsten Abverkauf Verluste in zweistelliger Prozenthöhe hinnehmen. Nervöse Anleger fragen sich, wo die Reise in den nächsten Monaten hingeht.

"Mr. Dax" sieht weiterhin hohe Crashgefahr

"Es ist eine extrem hohe Spannung im System. Ein großer Crash, der sich zu einer Wirtschaftskrise ausdehnen kann, ist absehbar. Die Frage ist nur der genaue Zeitpunkt", sagt der einst als "Mr. Dax" bekannte Börsen-Bär Dirk Müller gegenüber biallo.de. Er sieht sich in seiner Analyse vom Mai bestätigt: "Ich habe seit Monaten gewarnt: Diese Entwicklung war alles andere als unvorhersehbar, wenn die Notenbanken kein billiges Geld mehr in die Märkte pumpen, dazu die Zinserhöhung kommt und noch andere Faktoren wie der Handelskrieg mit China hinzukommen."

Müller rät trotzdem nicht zur einem Ausstieg aus Aktien - nur zu einer 100-prozentigen Risiko-Absicherung, wie er sie in seinem eigenen Fonds praktiziert. Dort setzt Müller auf die aus seiner Sicht besten Unternehmen der Welt mit "starker Bilanz und geringer Verschuldung" aus Europa und den USA - von FAANG-Aktien wie Apple über Sport-Marktführer Nike bis zum Dax-Aufsteiger Wirecard. Der integrierte Risiko-Fallschirm mit Absicherungsinstrumenten macht sich offenbar bezahlt: Seit Jahresanfang hat der "Dirk Müller Premium Aktien" (ISIN DE000A11ZF1) knapp zehn Prozent zugelegt. Eine Prognose, wohin sich der Dax bis Jahresende entwickeln wird, will Müller trotzdem nicht abgeben.

Altmeister Bernecker sieht gute Chancen für Jahresendrallye
Börsenurgestein Hans A. Bernecker wagt sich dagegen im Gespräch mit biallo.de aus der Deckung: "Ich denke, dass der Dax dann deutlich höher als jetzt in der Gegend um 13.000 Punkte stehen könnte." Das wäre zum derzeitigen Stand weiteres Erholungspotenzial von 13 Prozent, also eine Jahresendrallye vom Feinsten. Laut Bernecker hängt das allerdings davon ab, wie die "Amerikaner den Abbau ihre Börsen-Blase" steuern: "Bisher machen sie das mit Riesen-Tagesumsätzen von zuletzt 77 Milliarden Dollar sehr gut." Der Grandseigneur der deutschen Börsenszene sieht den Grund für den derzeitigen Abwärtstrend nämlich vor allem in der dringend nötigen Korrektur der Überbewertung vieler Unternehmen in den USA.

Vor allem die FAANG-Aktien (Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Google/Alphabet) seien viel zu weit in die Höhe geschossen und müssten etwa 40 Prozent nach unten korrigieren. "Bisher haben sie im Schnitt etwa 20 Prozent verloren - es ist also noch zu früh, wieder einzusteigen. Also derzeit Hände weg von den großen Tech-Aktien!" Dagegen sei der Kauf der meisten Dax-Unternehmen - mit Ausnahme von High-Tech-Aktien wie dem aus seiner Sicht immer noch überbewerteten Aufsteiger Wirecard - vorbehaltlos zu empfehlen. "So einen optimalen Einstiegs-Zeitpunkt hat es in Deutschland lange nicht gegeben. Man kommt ja richtig in Verlegenheit, was man kaufen soll. Ob Infineon, Lufthansa oder andere Unternehmen - die Bewertungen sind so niedrig wie lange nicht mehr." Die beiden genannten Werte haben auf Sicht von zwölf Monaten 25 bis 30 Prozent verloren. Bei anderen Dax-Unternehmen wie Bayer, Continental oder Covestro liegen die Kursverluste zum Teil noch höher.

Börsenguru hält weitere Absturz-Gefahr für gering
Bernecker ist seit inzwischen sechs Jahrzehnten an der Börse aktiv und hatte bereits vor einem halben Jahr eine Dax-Korrektur bis 11.000 Punkte angekündigt. Diese wurde fast puntgenau erreicht, weshalb der Routinier die Gefahr eines weiteren deutlichen Absturzes als gering erachtet. Trotz der Bremsmanöver der Zentralbanken und steigender Zinsen: "Steigende Zinsen haben noch nie zu einer Baisse geführt. Sie sind ja eine Folge, wenn die wirtschaftliche Lage gut ist." Auch der Handelskrieg mit China ("der geht so lange weiter, bis die Chinesen einlenken und ihre Märkte öffnen") oder der Finanzstreit von Italien mit der EU ("95 Prozent der Staatsschulden der EU liegen in den Händen der Italiener - das ist komplett anders als in Griechenland") sieht Bernecker nicht als große Gefahren.

"Die Deutschen haben halt immer Angst - das hat schon der römische Historiker Tacitus festgestellt. Dabei funktioniert die Wirtschaft nach Fakten", sagt Bernecker. Die wirtschaftlichen Fakten sprechen nach seiner Meinung derzeit dafür, den Einstieg in ausgewählte deutsche Premium-Aktien zu wagen: "Es ist sehr viel Geld in den Märkten unterwegs, das eine sinnvolle Anlage sucht. Und der größte Teil wird auch weiterhin in Aktien oder Anleihen angelegt werden." Da das billige Geld der Notenbanken fehle, werde der Anstieg eher lang und vorsichtig sein: "Aber das Erholungspotenzial liegt bei 25 bis 30 Prozent. Das ist viel besser, als sein Geld auf dem Sparbuch anzulegen."
von Lars Becker
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